Mexican Stand-off: Jason Voorhees/Michael Myers
Kritiken - Mexican Stand-off
Geschrieben von: Johannes Limbrunner   
Samstag, den 09. Oktober 2010 um 19:07 Uhr

mj_9mj_10

 

SO SIEHT'S AUS:

Fragte man denn nach den wichtigsten Horrorfilmen – oder sogar (Horror-)Filmreihen – der nicht ganz so jungen Filmgeschichte, nach Maßstäben-setzenden Meilensteinen des Kinos oder – um ein wenig zu präzisieren – den wichtigsten Filmen des postmodernen Horrorfilms, dann würden zwei Namen auf jeden Fall fallen:

Halloween – Die Nacht des Grauens und Freitag der 13.

Sollte man nun zwischen beiden genannten Filmen gewichten wollen, so wäre John Carpenters Halloween als das einflussreichere Werk von beiden zu nennen. Zwar mag Sean S. Cunningham den Startschuss zu einer Reihe gegeben haben, die einen, weit über die Grenzen des Horrorfilms hinaus bekannten Schlüpfer-Schlitzer schuf – „Ach, der mit der Hockeymaske!“, wird so ziemlich jeder nicht-horror-affine Filmfreund verblüfft ausrufen, spräche man ihn denn auf Freitag der 13. an und erkläre kurz um was es geht –, so war es Carpenters visionäres Werk, ohne welches vermutlich auch Jason Voorhees nie auf die Jagd nach lüsternen, kiffenden Partygängern gegangen wäre, schuf es doch ein neues Sub-Genre – den Slasher-Film.
Fortan sollten nicht mehr Monster, Geister, Dämonen und Vampire – sollte ich eine Berufsgruppe des Bösen vergessen haben, so bitte ich darum mir zu verzeihen und mögliches Bespuken wenn möglich zu unterlassen – für Angst und Schrecken bei jungen, kreischenden Mädchen sorgen. Nein, nun waren es Menschen, von Psychosen getriebene Soziopathen die zu Maske und Schlitzzeug griffen um auf die Jagd nach Opfern zu gehen.
Alfred Hitchcock sollte hierfür mit Psycho den Mörtel stellen, Carpenter legt mit Halloween den Grundstein.

Doch auch Freitag der 13. kommt eine gewisse filmhistorische Bedeutung zu, erreichte mit ihm der Schlitzerfilm doch eine weitere Stufe, in dem das von Carpenter definierte Konzept um explizite Gewalt und hemmungs- und zügellosen Sex – und teuren, da mit dem Leben bezahlten, sowieso – erweitert wurde und die nachfolgende Filmreihe quasi die Regeln definierte, die Randy Jahrzehnte später in Scream rezitierte – und bald darauf das Zeitliche zu segnen schien. Darüber hinaus wurde mit dem dritten Teil der Reihe auch einer der ikonischsten Killer der Filmgeschichte geschaffen – wie bereits geschrieben – weit über die Grenzen des postmodernen Horrorfilms hinaus auch bei jenen bekannt, die dem Horror-Genre in der Regel eher gleichgültig gegenüberstehen. Dies ging so weit, dass heutzutage schon viele nicht einmal mehr wissen, dass die Mord-Orgie des ersten Teils noch von Jasons Mutter initiiert wurde und erst im dritten Teil die berühmte Eishockeymaske ins Spiel kam – wofür ich übrigens äußerst dankbar bin, denn Jasons Gesicht war zwar schon von jeher eins, das nur eine Mutter lieben kann, wurde jedoch von Teil zu Teil noch schlimmer, newa.

Dagegen geriet Halloween so ziemlich in Vergessenheit und war und – leider – ist eher eine Art Geheimtipp, von einer treuen Fangemeinde geliebt und verehrt. Zwar sorgte Rob Zombies Neuinterpretation der ersten beiden Teile für ein wenig mehr Bekanntheit Halloweens, hinter der Eishockey-Maske muss unser psychotischer Freund des 31. Oktobers jedoch immer noch zurückstehen. Eins ist jedoch klar, auf Grund der filmhistorischen Relevanz sowie den überdeutlichen Parallelen beider Filmreihen und der Charaktere, aber auch auf Grund der Spaltung der Filmfreunde je eines der beiden Franchises in zwei Lager, sind beide als direkte Konkurrenten zu sehen. Ein Vergleich scheint also mehr als angemessen.
Und wer hätte nicht gerne ein Duell der beiden Schlitzer-Ikonen gesehen und war in äußerster Aufregung, als Anfang der 10er Gerüchte über ein direktes Duell großer Horror-Ikonen aufkam; es hätten Jason und Michael werden können. Letztlich trat Jason Voorhees gegen den witzigsten Kinderschänder diesseits der Elm Street – Freddy Krueger – an. Schade, wenn auch eigentlich recht offensichtlich, kündigte doch bereits das Ende von Jason goes Hell – Die Endabrechnung an, wer da wem die Visage verarzten sollte. Im Endeffekt war das ja auch unterhaltsam, ein Duell Jasons gegen – den von mir, das gebe ich ehrlich zu, präferierten – Michael steht jedoch aus. Und genau das wollen wir heute nachholen.
Es stehen sich gegenüber, mit elf (11) Teilen und einem (1) verabscheuungswürdigen Remake, Freitag der 13. sowie, mit sieben (7) Teilen und zwei (2) Remakes, Halloween. Moment, gibt es nicht 8 Teile in der Halloween-Reihe, dürfte jetzt so mancher aufmerksamer Leser fragen. Richtig, antworte ich, im Prinzip ist dem so, aber ganz ehrlich über Teil 3 wollen wir doch mal freundlicherweise den Mantel des Schweigens hüllen – besser ist das für alle Beteiligten, newa.
Es heißt also Jason Voorhees in der Freddy vs. Jason-Version von NECA gegen Michael Myers aus dem Evolution 2-Pack ebenfalls von NECA.

 

mj_5


Eins fällt bei beiden Figuren von vornherein positiv auf, obwohl beide aus unterschiedlichen Serien stammen und auch mit einigem an zeitlicher Distanz produziert wurden, scheint doch der Maßstab beider zu stimmen. Auch wenn Michael bei weitem kein Zwerg ist, so ist unser aller Lieblings-Mongo Jason doch gut und gerne einen halben Kopf größer und um einiges bulliger als Bleichgesicht Michael. Die schlanke Figur die Letzterer im Blaumann macht ist gut getroffen worden. Was Körperform und Haltung anbelangt, hat noch keiner der beiden die Nase vorne, beide stehen also noch auf Augenhöhe.
Während Michael jeher eher der introvertierte Serien-Killer war, der seine Opfer erst einmal eine Weile beobachtet, kurz zuwinkt, beim nächsten Zwinkern jedoch schon wieder verschwunden ist, war Jason – geistig zurückgeblieben wie er ist – schon immer eher der brachiale Typ. Das spiegelt sich ideal in seiner Haltung wider; er schreit förmlich danach durch die nächste Wand zu brechen, sein Opfer an der Kehle zu packen, zu würgen und schließlich die Machete für eine Radikal-Rasur anzubieten.

Schauen wir uns die Modellierung jedoch ein wenig genauer an, so bekommt Michael leider einen ordentlich Schlag versetzt, der ihn ins nächste Zimmer befördert. Stimmt nämlich der Maßstab noch im Vergleich zu Jason, so wirkt sein Körper leidermj_8 unförmig. Dies ist bedingt durch die Kombination der, im Vergleich zum Körper, ein wenig zu dünnen Arme, mit den, für die Schultern verwendeten, Gelenken, die beide Armhaltungen ein wenig merkwürdig aussehen lässt und leider dabei noch nicht einmal wirklich sinnvolle Bewegungsmöglichkeiten bietet.
Gerade jedoch als Jason mit seiner Machete zu einem fatalen Schlag ausholen will, schafft es Michael ihn mit seinem riesigen Messer durch einen geschickten, wenn auch verfehlenden, Schwung auf Abstand zu halten, denn der Faltenwurf seines Blaumanns kann ordentlich punkten. Von NECA ist man in dieser Hinsicht ja eigentlich sowieso nur Gutes gewöhnt und auch diese Figur zeigt einmal mehr, dass es NECAS Knetmassen-Knechte drauf haben, wenn es darum geht Falten in einem Kleidungsstück nachzubilden. Diese sind denn auch hier überaus detailliert und realistisch ausgefallen.
mj_7

Dabei ist es allerdings keineswegs so, dass die Kleidung Jasons nicht ebenfalls wirklich hübsch gestaltet worden wäre; Hemd und Hose sehen – seiner Leidenschaft für das Abhängen unter Wasser entsprechend – abgerissen und verwaschen aus, so wie man sich das wünscht und vorstellt, an manchen Stellen sieht man jedoch, an welche Grenzen das Modellierungshandwerk stößt, geht es denn um die Nachbildung komplexer, von der Natur gebildeter, faseriger Formen.

Einstecken muss unser mongoloider – äh, ich meine natürlich missverstandener – Kuchen-Freund Jason, wenn es um die Schuhe geht. Was zum Ferienlager hat die Skulpteure bloß geritten, als sie sich an die Modellierung der Schuhe machten – Disco-Fieber? Erinnerungen an die grausige Plateau-Mode der 90er oder doch der Termin-Zettel vom Orthopäden? Ich weiß es nicht, im Endeffekt ist es vielleicht auch besser so, aber so eine Erklärung für die grotesk hohen Sohlen seiner Schuhe wäre schon einmal interessant – doch wie ein Blick auf Jamie Lee Curtis‘ Brüste bleibt uns diese Erklärung wohl auf immer verwehrt.

 

mj_11


Alldieweil haben beide Charaktere jeweils ein Markenzeichen – ihre Masken. Entsprechend müssen diese eben auch möglichst genau gearbeitet sein, dienen sie doch als größtes Identifizierungsmerkmal. Dies ist bei beiden Figuren gelungen, auch wenn, das leuchtet ein, Jasons Maske ein kleineres Hindernis gewesen sein dürfte. Michael jedoch gewinnt an diesem Punkt die Oberhand und kommt zu Stich – mit dem Messer, that is, ihr Perverslinge -, denn die – für den Film – weiß gesprühte William Shatner-Maske ist den Skulpteuren wirklich ziemlich gut gelungen und lässt Micheal Myers böses Gesicht erkennen. Einziger Kritikpunkt hier: Man sieht seine Augen. Denn was diesem Apostel des Bösen seit jeher seine unheimliche und bedrohliche Aura verleiht, ist nun mal die Tatsache, dass man seine Augen nicht sieht, stattdessen nur in zwei dunkle schwarze Löcher starrt.

Jasons Maske stellte alldieweil keine allzu große Herausforderung dar, sie zu versauen hätte dementsprechend also einiges an Anti-Talent gefordert. Schön ist, dass man die Maske abnehmen kann, was – da Muttis „Special-Boy“ das des Öfteren auch schon in den Filmen gemacht hat – keineswegs abwegig erscheint. Das größere Augenmerk muss also auf der Modellierung des Gesichts liegen. Der künstlerischen Freiheit seiner Skulpteure anheimgefallen – ich kann mich jedenfalls an keinen Teil erinnern in dem sein Gesicht so aussah – mag das ganze dennoch gefallen… so rein auf gestaltungstechnischer Ebene, newa, denn hübsch, ist das Gesicht nicht und Mutter bin ich auch keine. Vorsicht sollte man allerdings walten lassen, damit die Riemen, die die Maske am Kopf halten beim Abnehmen nicht reißen – so geschehen, als ich die Figur oben ohne fotografieren wolle… was ich so alles auf mich nehme für euch, ne.

mj_3mj_4mj_2mj_1


Während wir uns nun die Bemalung genauer betrachten, artet der Kampf der beiden in ein Armdrücken aus, aus dem scheinbar keiner der beiden wirklich als Sieger hervorgehen kann. Die Farben sind relativ sauber und mit einem Gefühl fürs Detail aufgetragen, vor allem der Faltenwurf Michaels wäre hier hervorzuheben, dessen Bemalung die Plastizität noch hervorhebt. Doch, aah, da knickt Michael ein, denn was ist denn das? Seine Augen, denn die sind dermaßen unsauber und lieblos bemalt, dass man sich direkt fragen muss, ob der – eher weniger – fröhliche Pinselschwinger nicht den gleichen Silberblick hatte, den er Michael ins Gesicht zauberte. Und, oh weh, da fällt der Blick auf Michaels Hände, die aussehen, als hätte er vor kurzem noch Malerarbeiten ausgeführt – würde ja zum Blaumann passen, nech. Die Hände sind derweil auch Jasons einzige Schwachstelle, so dass er nicht zum Schlag ausholen kann, denn auch wenn die zahlreichen weißen Stellen an seinen Handschuhen wohl Innenfutter darstellen sollen, so sticht das Ganze dann doch negativ ins Auge, vor allem da diese Stellen, wie gerade schon geschrieben, einfach nur in einem hellen Weiß bemalt sind und so wirken, als hätte man diese Stellen vergessen.

Mit acht (8) Artikulationsmöglichkeiten ist Michael alldieweil doppelt so beweglich wie Jason mit seinen vier (4) und schafft es so sich aus Jasons Eisengriff zu winden. Schön, das, allerdings NECA-typisch gelöst. Wie so üblich sind Rumpf und Beine völlig unbeweglich während sich fast das gesamte Bewegungsspektrum auf die Arme beschränkt, plus die Möglichkeit den Kopf zu drehen. Worin man jetzt allerdings den Sinn sah, dem Sammler die Möglichkeit zu geben die Arme anzuheben, bleibt mir schleierhaft, dient diese Poste doch lediglich dazu Michael so aussehen zu lassen, als müsste er sich mal kurz die Achseln trocknen lassen. mj_6
Auf der anderen Seite kann Jason nicht viel mehr als nach vorne zu greifen und seine Machete zum Schlag anzusetzen, dafür stören die Gelenke allerdings auch nicht das Gesamterscheinungsbild und reichen für unseren Riesen-Mongo auch völlig aus – mehr als laufen und mit der Machete um sich schlagen hat er ja sowieso nie gemacht. Zwar weniger Bewegungsmöglichkeiten, die Artikulationspunkte dafür aber geschickter und passender ins Gesamtbild eingearbeitet, und somit holt Jason auch diesen Punkt und versetzt dem gerade noch so entkommenen Michael den Gnadenstoß. Schade, Ende und aus.

Die zweite Figur, die dem 2-Pack Michaels beiliegt, ist übrigens Michael Myers als Kind in seinem Halloween Clowns-Kostüm mit dem er seine Schwester ermordete und macht zwar optisch eher weniger her, bietet sich aber idealerweise als Gesellschaft für NECAs Captain Spaulding-Figur an – nur Angst vor Clowns sollte man keine haben, newa.

FAZIT:

Es war ein harter Kampf und verdammt knapp noch dazu. Letztlich ging Jason jedoch – und es tut mir in der Seele weh das zu sagen, ist doch Michael eindeutig mein Lieblingscharakter – als klarer Sieger hervor. Klar, Michael ist eine durchaus gute Figur, im Endeffekt überwiegen aber leider die Mängel – als da wären, die sinnfreien Artikulationsmöglichkeiten und die damit verbundene groteske Körperform sowie deutliche Mängel der Bemalung – wohingegen Jason nicht nur über seinen Opfern steht – zwei bis drei Köpfe, mindestens – sondern auch über den wenigen Mängeln. Richtig schade ist nur, dass die Riemen, die seine Maske im Gesicht halten, nach einiger Zeit reißen können, wenn man die Maske denn abnehmen möchte. Da sich es sich aber wohl kaum vermeiden lässt, dass so etwas passiert, wenn die Weichmacher erst mal ausgedampft sind, kann man das NECA aber eher weniger ankreiden.
Bleibt zu sagen, dass Jason also eindeutig gewonnen hat und somit vier von fünf Skeletors locker verdient. Michael auf der anderen Seite ist keine wirklich gute Figur, aber auch keine wirklich schlechte; man bekommt von NECA eine Myers-Figur im Design der alten Filme – der Markt wird ja seit Zombies Neuinterpretationen hauptsächlich von dem neuen Myers-Design nachempfundenen Figuren dominiert – die man sich ins durchaus ins Regal stellen kann um den Geist der Filme noch einmal in sein Zimmer zu holen und macht an sich auch was her, als Prachtexemplar der Sammlung eignet sie sich aber dennoch nicht – das macht alles in allem drei von fünf Skeletors.
Was uns nur noch die He-Man-Skala übrig lässt um den Kampf endgültig zu entscheiden. Hier ist das Ganze noch viel knapper und eine Entscheidung schwerer zu treffen. Michael Myers ist eindeutig – meine Seite, meine Meinung, basta, newa – der bessere Killer der beiden. Ein gewiefter, gar nicht mal unintelligenter, Soziopath, der einen kleinen Groll gegen weibliche Familienmitglieder hegt. Jason hingegen, als geistig zurückgebliebener Riesen-Spasut erlegt nach der Holzhammermethode Jugendliche, die das machen, was er nie machen konnte – Ficken und Saufen. Traurig, das.


Gehen wir nach den Filmen, so hat auch hier Halloween eindeutig die Nase vorn, vor allem in Sachen Atmosphäre wird unser Eishockey-Freund vom Kürbismann eindeutig ausgestochen; sehen wir uns die Teile an, so hat Freitag der 13. zwar quantitativ das Sagen, in Sachen allgemeiner Doofheit jedoch geben sich beide nichts; wobei das Niveau am Camp Crystal Lake mit jedem weiteren Teil ein wenig weiter ins Lächerliche abrutschte.
Betrachten wir uns allerdings die Figuren, gewinnt Jason einmal mehr die Oberhand, macht die Figur doch – vor allem auf Grund der bulligen Körpererscheinung – eindeutig mehr her als Michael. Wägen wir nun also ab, gewinnt Jason zwar um gut und gerne einen Punkt auf Grund der Figur, Halloween ist auf der anderen Seite allerdings das duftere Franchise und ein Michael Myers sollte daher in keiner Sammlung fehlen. Aufgerundet bringt das also Gleichstand und sorgt somit für vier He-Mannen auf beiden Seiten.


Sieger dieses Mexican Stand-off ist und bleibt jedoch – grumml – Jason Voorhees.

Bewertung:

Jason:

4/5

4/5

 

Michael:

 

SIEGER:

Sieger

 

MAIL AN: johannes [at] dassindkeinepuppen.de